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Liebe Leser*innen

Die Spatzen pfeifen's vom Dach

Nötigung zum Kriegsdienst

Aktualisiert: 19. Nov. 2021

Ich habe soeben ein Schriftstück in die Hände bekommen, das vor 11 Jahren (2009)

verfasst wurde,als der Kriegsdienst noch per Antrag verweigert werden musste.

Frau mit Atemschutz und Waffe
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Der junge Mann hatte schon zwei Argumentationsschreiben gesandt, die nicht anerkannt wurden, mit der Begründung, dass die Länge der Schreiben nicht ausreichten und die Texte klängen, wie aus dem Internet kopiert.

Er hatte sieben Tage Frist. Sollte er in der Zeit keine stichhaltigen Gründe für die Verweigerung

finden, hätte er sich zum Wehrdienst zu melden. Der junge angehende Ersatzdienstleister bat daraufhin um Formulierungshilfe.

Zum Antritt des Ersatzdienstes kam es nicht mehr, denn kurz nach Absendung des Schreibens hatte

er einen Ausbildungsvertrag in den Händen. Zwei Jahre später wurde die Wehrpflicht ganz

abgeschafft.


Anfang Juli gab es einen Vorstoß, dass die Wehrpflicht wieder eingeführt werden soll. Den Artikel verlinke ich am Ende des Beitrages.


So wie sich die politische Lage von 2009 bis 2020 entwickelt hat, dass eine tiefe Spaltung durch die Bevölkerung geht, werden häufig Befürchtungen laut, dass es auf einen Bürgerkrieg hinausläuft:

Möge Gott uns beistehen! Deshalb habe ich mich entschieden dieses Dokument zu veröffentlichen.


Mein Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer

Vervollständigung der Unterlagen

Sehr geehrter Herr ... ,


wie von Ihnen gewünscht sende ich Ihnen die überarbeiteten Unterlagen.

Vorab noch eine Meinungsäußerung zur Vorgehensweise, mit welchen Druckmitteln Sie gegen mich, als Kriegsdienstverweigerer, vorgehen. Meiner Ansicht nach ist es nicht allein

ausschlaggebend, in welcher Länge sich ein Aufsatz zur Gewissensentscheidung gestaltet, hier wäre eine entsprechende Längenangabe sehr hilfreich gewesen, sondern dass meine Meinung klar, eindeutig und aussagekräftig formuliert wurde. Wichtig ist, dass es sich um meine ureigene und persönliche Meinung handelt!

Im Übrigen werde ich auch bei entsprechenden Rechtsstreitigkeiten einen Anwalt als

Unterstützung hinzuziehen, der sich mit den gegebenen Formulierungen etc. auskennt. Das ist sogar mein Recht und unter bestimmten Umständen sogar Pflicht. So ist es unverständlich, weswegen ich für die Ablehnung zum Wehrdienst, nicht auch Formulierungshilfen verwenden darf? Es handelt sich in diesem Fall ja um keine Klausur.

Gerade in heutiger Zeit sollte es möglich sein, einfach nur „nein“ zum Kriegsdienst sagen zu

dürfen, und nicht zum Dienst an der Waffe genötigt zu werden.

Zwischenzeitlich habe ich erfahren, dass nicht jeder Jugendliche einen Musterungsbescheid

bekommt. Bedenke ich, wie viele gar nicht in die Verlegenheit kommen, sich rechtfertigen zu

müssen, halte ich es für fragwürdig, warum jemand der Bereitschaft zeigt sich sozial zu

engagieren, diese Prozedur über sich ergehen lassen muss. Hier sehe ich doch eine erhebliche Ungleichbehandlung, die auf Willkür zu gründen scheint.


Dies ist nun die dritte Ausführung der Darlegung von Beweggründen für die

Gewissensentscheidung zur Anerkennung des Antrages als Kriegsdienstverweigerer nach Art. 4 Abs. 3 Satz 1 des GG den Kriegsdienst zu verweigern.


Begründung:

Wiederholung: Ich sehe keinen Sinn darin Krieg zu spielen, für einen angeblichen Ernstfall. Wenn wir wirklich bereit sind in Frieden zu leben, wieso sollten wir dann den Krieg simulieren?Ich gedenke der Geschichte am Platz des Himmlischen Friedens, wo das Militär die Menschen durch Einsatz von Waffen niedergestreckt hat. Schändlich in meinen Augen. Ich denke auch an den Hiroschima Angriff.

Im Gegenzug verweise ich darauf, dass es den Bürgern, die früher hinter deutscher Mauer

weggesperrt waren, es friedlich schafften, sich aus Tyrannei zu befreien.

Anwendung von Waffengewalt ist für mich kein Zeichen von Stärke, sondern zeugt davon, dass den Menschen die Argumente ausgehen, um sich durchzusetzen oder auch einfach nur

Machthunger ausüben wollen.

Statt extreme Summen an Geld für Waffen zu verpulvern, sollten wir es in Einrichtungen

investieren, die vermehrt lehren, wie wir ohne sie kommunizieren können.


Jüngste Ereignisse (Amokläufer von Winnenden, Alabama) und auch länger zurückliegende

(Amokläufer von Erfurt) zeigen mir ganz deutlich wohin es führt, wenn mit Waffen gespielt wird, die nicht mal für einen Krieg bestimmt waren, sondern einfach in die falschen Hände geraden waren. Und die Träger spielten mit ihnen, die dadurch verliehene Macht aus und verletzten dadurch viele unschuldige Menschen.

So ist es auch im Krieg. Es töten sich nicht nur Soldaten untereinander, sondern es betrifft auch Menschen, die mit den Konflikten, um die es scheinbar geht, nichts zu tun haben. Krieg dient nur der Zerstörung und wirft, bei jeder weiteren Gewaltanwendung um Längen zurück, was andere aufgebaut haben.

Zwar bin ich konfessionslos und in keine bestimmte Richtung religiös geprägt worden, doch habe ich Freunde und Bekannte aus unterschiedlichen religiösen Richtungen, Hautfarbe und Kulturen.

Ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, wenn es der Regierung oder wem auch immer, einfallen würde, mich dazu zu zwingen, auf diese zu schießen.

Einzig fiele mir eine positive Einsetzbarkeit von Bundeswehrsoldaten ein. Die wäre in der

Naturkatastrophenhilfe. Doch um dort helfend mitzuwirken, könnte ich genauso bei der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk tätig werden.

Zwar habe ich, zum Glück, keinen Krieg erlebt, aber ich habe mich mit Leuten unterhalten, die nur Grausames zu berichten hatten. Von Soldaten, die für ihr Leben gezeichnet sind und selbst im Nachhinein keinen Sinn mehr im Töten sehen. Denn für die es ein Vergnügen bedeutet, kann ich nur Mitleid empfinden.


Gewalt ruft Gewalt hervor, ruft Gewalt hervor, ruft Gewalt hervor ... !

Ich hoffe, ich konnte Ihnen deutlich machen, dass ich mich auf keinen Fall am Leid unschuldiger Menschen beteiligen möchte. Aus diesem Grund bitte ich Sie meinem Antrag zuzustimmen, damit meine Fähigkeiten dort zum tragen kommen und ich Erfahrungen sammeln kann, wo sozial groß geschrieben wird.

Sollten sich Formulierungen mit welchen aus dem Internet decken, so liegt das sicher nicht daran, dass der Text kopiert ist, sondern dass bei den vielen, vielen Verweigerern sich die Meinungen und Umschreibungen decken.


Hochachtungsvoll

Der Unterzeichner


https://www.ovb-online.de/weltspiegel/bayern/deutschland-wehrpflicht-rueckkehr-debatte-kramp-karrenbauer-wehrbeauftragte-90007160.html

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